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Triest - Stil, Freundschaft und Kulinarik

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Foto: Nik Pichler

Kennt ihr das, dass Ihr zu gewissen Menschen oder bestimmten Orten eine ganz besondere Verbindung habt? Diese Verbindungen sind da, und man muss sie auch gar nicht erklären, es gibt sie einfach. Diese Connection leidet auch nicht, wenn man sich nicht regelmäßig sieht. Doch jedes Mal, wenn man sich trifft, ist es so, als ob man immer zusammen gewesen wäre.
 
So ergeht es mir mit Triest, der kleinen Schwester von Wien. Stellt euch das so vor: Wien nur etwas kleiner und am Meer. Ist das nicht Wahnsinn? „Little Sis“ besticht architektonisch durch die wunderbaren Gebäude, die auf viele Jahrhunderte zurückgehen. Insbesondere fällt sie jedoch durch den habsburgerischen Fingerprint auf. Triest war für die K&K Monarchie der wichtigste Zugang zum Meer. Es war jene Stadt, von der der spätere Kaiser Maximilian von Mexiko seine verhängnisvolle Reise antrat.
 
Triest ist für mich majestätisch, ohne arrogant oder abgehoben zu sein, wie so manche andere Städte der ehemaligen Donaumonarchie. Aber sie ist ja auch die Stadt der Winde. Wer ein Mal die Bora dort miterlebt hat, weiß wovon ich rede. Ich denke, dass diese Winde, die dort immer wieder durchfegen, sehr zum Charakter der Stadt und seiner Menschen beitragen. Es scheint sogar so, als ob die Triestiner von den Winden zusammengetragen wurden, so vielfältig sind sie. Diese Mischung wirkt sich auf die Persönlichkeit und natürlich auch auf die Küche aus. Eine Verbindung, die ich sehr mag und die mich immer wieder zu sehr guten Freunden in deren Küche führt. Die Familie Panizzoli ist eine traditionsreiche Triestiner Familie, die ich von ganzem Herzen mag und in deren Küche – einem der schönsten Orte der Welt – ich schon zahlreiche wunderbare Abende mit herrlichem Essen, wunderbaren Weinen, außergewöhnlichen Konversationen und viel Lachen verbracht habe. Ich mag Menschen mit Stil und Herz und genauso sind sie – die Panziollis. Mein letzter Triest-Besuch war berufsbedingt, ich habe ein Foto-Shooting für eine internationale Marke gemacht, hatte aber auch Zeit für meine Freunde und natürlich Kulinarik.

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Foto: Nik Pichler

Ich habe in Triest schon in vielen Hotels gewohnt, diesmal im Hotel Savoia Excelsior Palace. Mein Freund Alberto hat es mir kurz vor meiner Abreise empfohlen, denn er meinte, ich brauche doch die Weite, wenn ich aus meinem Zimmer blicke. Ich müsse meiner Kreativtät zuliebe unbedingt auf das Meer schauen und doch mitten in der Stadt sein. Und wie Alberto nun mal so ist, wurden gleich die verschiedensten Menschen in Triest über meine Ankunft informiert und die Suche nach dem perfekten Zimmer begann.
Nach einigen Telefonaten teilte er mir mit, dass in diesem Hotel nun ein großes Zimmer für mich reserviert sei (Ich hasse kleine Zimmer...). Und als ich ankam, wurde ich dann sogar noch auf eine 49m2 Suite upgegradet. Ich war glücklich – Weite nun sowohl außen als auch innen. Ich hatte das bis dato wichtigste Shooting meines Lebens vor mir und wusste, dass ich den idealen Rückzugsort für die nächste Arbeitswoche wirklich brauchen konnte.

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Foto: Nik Pichler

Das Hotel wirkt so, als ob die Zeit stehengeblieben sei. Man hat den Eindruck, dass wenn man nur lange genug in der Lobby sitzen bliebe, gleich „Kaisers mit Entourage“ hereinmaschieren. Das Interior ist klassisch, es gibt aber auch geschmackvolle moderne Elemente und die Kombination alt/neu ist hier wirklich gelungen. Ich mag den alten aber noch mehr den neuen Lobby Bereich in dessen Lehnstühlen ich meine Abende verbrachte, versorgt mit einem guten Glas Rotwein, Käse und einem Buch.
 
Die Zimmer sind klassisch schöne Hotelzimmer. Meine Suite verfügte über eine eigene Küche (mit Illy Kaffeemaschine ;)), ein Wohnzimmer mit Esstisch für 4 Personen, ein Schlafzimmer, einen Balkon (herrlicher Blick aufs Meer) und ein großes Badezimmer (mit Etro-Pflegeprodukten!). Auch wenn ich sonst kleinere Hotels bevorzuge, dort habe ich mich wirklich wohl gefühlt. Das Auto würde ich nächstes Mal auf dem Parkplatz beim Bahnhof parken, da das wesentlich günstiger ist als die Möglichkeit vom Hotel. Es ist auch nicht weit weg. Das Frühstück ist groß und für italienische Verhältnisse sogar großartig. Wenn man in der Früh seinen Tag im stylishen Speisesaal mit Blick zum Meer beginnt, kann eigentlich schon gar nichts mehr weiter schieflaufen. Das Hotel liegt zwar direkt an der stark befahrenen Straße, aber Dank der schallisolierten Fenster hört man nichts. Am Dach gibt es ein gut ausgestatteten Fitnessraum, den ich auch genützt habe.

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Foto: Nik Pichler

Da ihr leider nicht in den Genuss kommen werdet, von Rosanna und Armando Panizzoli bekocht zu werden, hab ich für Euch auch Restaurants getestet. Hier meine zwei Favorites: Das PURO befindet sich in einem erst kürzlich gastronomisch entwickelten Teil der Via Torino. Es ist mir aufgefallen, weil es einfach von außen sehr stylish ausgesehen hat und ich dachte, dass bei dem Stil die Küche auch nicht weit daneben liegen könne. Ich verlass mich da immer auf mein Gefühl und ich hatte recht, es war echt chic und das Essen war sehr gut. Wir hatten Lachs „Burger“ und ganz klassisch: Spaghetti al Pomodoro. Leider war auch das Personal sehr chic, etwas zu chic und in Punkto Höflichkeit und Aufmerksamkeit bin ich etwas fordernd. Daher gibt es auch nur 3 von 5 Niks. (Diese Bewertung ist mir gerade eingefallen, finde ich cool-;) ) Warum ich es Euch trotzdem empfehle? Weil das Lokal wirklich schön ist und das Essen auch wirklich gut war. Ich glaube, dass man hier einen stilvollen Abend verbringen kann. Vielleicht hatten sie ja einfach bei uns einen schlechten Tag – shit happens.

Die zweite Empfehlung erhält 5 von 5 Niks – dort hat einfach alles gepasst. Das war genau meines. Das Essen war herrlich, die Gastgeberinnen wunderbar und das Lokal nicht nur schön, es war gemütlich. Es hatte eine ganz besondere Atmosphäre. Die Osteria la Chimerina ist die Cantina des bekannten Gourmetrestaurants Chimera di Bacco in dem auch die Speisen zubereitet und dann über die Straße zu den Gästen getragen werden – herrlich! Es ist etwas eng, was dazu führt, dass man rasch mit den anderen Gästen in Kontakt kommt. Probiert unbedingt die Spaghetti Carbonara, dort werden sie nämlich richtig gemacht, hausgemachte Pasta, al dente mit Speck und Ei in perfekter Kombination und Konsistenz – keine Weichteile ertrunken in Sahnesauce. Die Linsensuppe war einfach ein Gedicht, so harmonisch gewürzt und die Linsen so richtig am Punkt – zum Niederknien!

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Foto: Nik Pichler

Wenn ich so vor mich hin schreibe, erinnere ich mich an ein ganz besonderes Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Am letzten Tag meines mehrtägigen Shootings im alten Hafen „Porto Veccio“ stand plötzlich ein alter Triestiner neben mir und begann sich mit mir zu unterhalten. Ich spreche (noch) kein Italienisch, aber Spanisch – so komme ich in Italien aber immer ganz gut durch. Er war vor langer Zeit Hafenarbeiter und meinte, dass es hier, wo ich shoote, zwar sehr schön sei, es aber noch einen anderen Teil des Hafens gäbe und wenn ich will, würde er ihn mir zeigen. Natürlich wollte ich, stieg in sein Auto und wir fuhren dorthin. Dort angekommen staunte ich nicht schlecht. Um Jahrhunderte zurückversetzt stand ich im anderen Teil der Hafen-Geisterstadt. Er erzählte mir Geschichten von früher und ich fotografierte. Es waren zwei wunderbare Stunden, die wir miteinander verbrachten. Dann fuhr er mich mit seinem alten klapprigen Auto zum Hotel. Der Portier staunte nicht schlecht, als er mir die Tür öffnete. Ich bedankte mich bei dem altem Mann, wir verabschiedeten uns und wünschten einander alles Gute. Wahrscheinlich werden wir uns nie wieder sehen. Aber darum geht es auch nicht, es ging um diese gemeinsamen Augenblicke, um eine wunderbare gemeinsame Zeit. Und genau das charakterisiert Triest!
 
Ach ja, man muss übrigens nicht die selbe Sprache sprechen, um miteinander zu sein und sich zu verstehen.

 

MEINE TIPPS:
 
– Verliert euch in der Stadt, geht ziellos durch die engen Gassen
– An Autofahrer_innen: checkt die Parkhäuser in Hotel-Umgebung, sie sind oft günstiger
– Trinkt einen Kaffee an der Piazza dell'Unità d'Italia
(in der Sonne ;))
– Besucht Eataly (der italienische Meinl am Graben ;))
– Besucht an einem Samstag den Obst- und Gemüsemarkt auf der Piazza Sant'Antonio Nuovo

 

 

Text: Nik Pichler - Life Style Blog: blog-nikpichler.com

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